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Warum „Tiefe“ wieder gehört werden will

Betancor „Gründeln“ Warum das Suchen nach Tiefe wieder auf die Bühne drängt
In einer Gegenwart, die von Beschleunigung, Vereinfachung und ständiger Verfügbarkeit geprägt ist, wächst der Wunsch nach Formen, die innehalten und nach Bedeutung fragen. Kultur reagiert darauf nicht mit Lautstärke, sondern mit Konzentration.
Genau hier setzt „Gründeln“ an ein Liederabend von Betancor, der am 20. Januar und 15. März 2026 in der Heldenalt stattfindet. Der Titel verweist auf eine Bewegung nach unten: suchen, wühlen, den Dingen auf den Grund gehen. Das Programm verbindet Lieder von Franz Schubert und Kurt Weill mit eigenen Stücken Betancors, begleitet von Christian von der Goltz am Klavier.
Kontext und Abgrenzung
„Gründeln“ ist kein klassischer Liederabend im musealen Sinn. Zwar greift das Programm auf bekannte Kompositionen wie Die Forelle, Auf dem Wasser zu singen oder Seeräuberjenny zurück, doch werden diese nicht historisierend präsentiert. Vielmehr ordnet Betancor das Material neu, mischt es mit eigenen Liedern wie Insel der Hunde, Trüb oder Öfter mal vom Boden essen und stellt damit Fragen nach Haltung, Perspektive und Selbstverortung.
Für die Stadt und ihr Kulturpublikum ist das relevant, weil hier keine Genregrenzen verteidigt werden. Klassisches Kunstlied, politische Theatertradition und zeitgenössische Songform treten in einen Dialog, der bewusst offen bleibt. Für Teile der Branche zeigt sich darin ein Trend: weg vom Eventcharakter, hin zu Abenden, die als inhaltliche Setzungen verstanden werden wollen.
Gleichzeitig grenzt sich „Gründeln“ klar von konsumorientierten Formaten ab. Wer schnelle Pointen oder Wohlfühlästhetik sucht, wird hier kaum fündig. Das Angebot richtet sich an ein Publikum, das bereit ist, zuzuhören auch dort, wo es unbequem oder mehrdeutig wird.
Warum jetzt?
Das Suchen nach „Gründen“ ist kein Zufall. In gesellschaftlichen Debatten dominieren derzeit Polarisierung, Vereinfachung und die Erwartung sofortiger Positionierung. „Gründeln“ setzt dem eine andere Logik entgegen: erst beobachten, dann einordnen. Diese Haltung spiegelt eine größere kulturelle Bewegung, die sich in Literatur, Theater und Musik gleichermaßen zeigt.
Kulturell bedeutet das eine Rückkehr zur Langsamkeit als Wert. Wirtschaftlich ist damit kein Massenpublikum zu erreichen, wohl aber eine wachsende Nische, die Qualität über Reichweite stellt. Gesellschaftlich eröffnet der Abend einen Raum, in dem Ambivalenz nicht als Schwäche gilt, sondern als Ausgangspunkt von Erkenntnis.
Für Besucher heißt das konkret: Der Abend verlangt Aufmerksamkeit, bietet dafür aber Resonanz. Für die Stadtöffentlichkeit zeigt sich, dass kulturelle Relevanz nicht an Größe oder Vermarktung gekoppelt ist. Und für die Branche markiert „Gründeln“ ein Beispiel dafür, wie sich klassische Stoffe ohne Verflachung aktualisieren lassen.
Fazit:
„Gründeln“ ist kein Event, das Antworten liefert. Es stellt Fragen nach Tiefe, nach Ursprung, nach dem, was unter der Oberfläche liegt. Gerade darin liegt seine journalistische Relevanz. Wer verstehen will, wie Kultur auf eine komplexer werdende Gegenwart reagiert, findet hier einen präzisen Seismografen.
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FAQ
Wann und wo findet „Gründeln“ statt?
Am 20. Januar und 15. März 2026 in der Heldenalt.
Für wen ist der Abend relevant?
Für ein Publikum, das sich für Liedkunst, kulturelle Einordnung und zeitgenössische Perspektiven interessiert.
Welche Themen stehen im Mittelpunkt?
Suche nach Bedeutung, Ambivalenz, Verhältnis von klassischem Liedgut und Gegenwart.
Was unterscheidet „Gründeln“ von anderen Liederabenden?
Die bewusste Neuordnung bekannter Werke und ihre Verbindung mit eigenen Stücken ohne museale Haltung.
Warum ist das journalistisch berichtenswert?
Weil der Abend eine größere kulturelle Entwicklung sichtbar macht: den Wunsch nach Tiefe statt Beschleunigung.
Quellenliste:
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Programm- und Werkangaben zum Liederabend „Gründeln“, Heldenalt, Januar und März 2026
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Werkverzeichnis Franz Schubert (Liederzyklen und Einzelwerke)
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Werkverzeichnis Kurt Weill (Songs und Theaterlieder)
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Eigene Liedtexte und Kompositionen von Betancor (Programmauswahl)
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Aufführungsangaben und Mitwirkendenhinweise zu Christian von der Goltz (Klavier)
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Allgemeine kulturwissenschaftliche Einordnung zu zeitgenössischer Liedkunst und Programmformaten im deutschsprachigen Raum
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Redaktionelle Analyse und Einordnung von Events.Presse.Online nach dem Deutschen Pressekodex (Ziffern 1–3, 7, 12)
Details
- Datum: Januar 20
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Zeit:
20:00 - 22:00
- Veranstaltungskategorie: Kultur & Konzerte
- Veranstaltung-Tags:Bar jeder Vernunft, Berlin, Betancor, Gründeln, Kultur, kulturelle Einordnung, Liederabend, Liedkunst, Schubert, Weill, zeitgenössische Liedkunst
- Website: https://www.bar-jeder-vernunft.de/de/programm/programmuebersicht/betancor-gruendeln.html
Veranstalter
- BAR JEDER VERNUNFT Veranstaltungs-Organisations-GmbH
- Telefon info@bar-jeder-vernunft.de
- E-Mail info@bar-jeder-vernunft.de
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Veranstaltungsort
- Bar jeder Vernunft
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Schaperstraße 24
Berlin, 10719 Google Karte anzeigen - Telefon +4930. 390 665 0
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