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Wenn alte Orte digitale Bedeutung bekommen

Januar 26 @ 13:00 - März 29 @ 21:00
Berlin ,DigitaleKunst ,Stadtkultur,Events Presse,Events Berlin

Stadtbad RELOADED: BEYOND Digitale Kunst als Stadtlabor im historischen Raum

Städte stehen vor der Frage, wie sie mit ihrem baulichen Erbe umgehen, wenn Nutzung, Finanzierung und Öffentlichkeit auseinanderdriften. Zwischen Denkmalschutz und Erlebnisökonomie entstehen neue Formate eines davon ist eine digitale Kunstausstellung in einem stillgelegten Schwimmbad in Berlin.

Mit „Stadtbad RELOADED: BEYOND“ wird ein 97 Jahre altes Stadtbad im Stil des Expressionismus temporär neu genutzt. In dem Gebäude dem Stadtbad Oderberger Straße treffen historische Architektur und digitale Projektionen aufeinander. Gezeigt werden mehr als 150 animierte Arbeiten internationaler Künstler:innen, ergänzt durch raumgreifende Installationen, darunter eine LED-Arbeit mit zehntausenden Lichtpunkten sowie eine immersive Deckenprojektion.

Der Ansatz ist nicht neu, aber konsequent: Ein Ort, der seiner ursprünglichen Funktion entzogen ist, wird nicht museal konserviert, sondern kulturell reaktiviert. Zielgruppe sind kulturinteressierte Besucher:innen, die digitale Kunst nicht nur als Bildschirmformat, sondern als räumliches Erlebnis wahrnehmen wollen. Gleichzeitig richtet sich das Format an ein Publikum, das urbane „Lost Places“ als Teil der Stadtidentität begreift.

Abgrenzend wirkt weniger das Programm als der Ort selbst. Während viele immersive Ausstellungen in neutralen Hallen oder temporären Bauten stattfinden, setzt dieses Projekt auf die Spannung zwischen historischer Substanz und digitaler Überformung. Kritisch gesehen wird dabei von Teilen der Öffentlichkeit die Gefahr, dass Architektur zur bloßen Kulisse wird und der Erlebniswert die inhaltliche Auseinandersetzung überlagert.

Die Relevanz solcher Formate speist sich aus mehreren Entwicklungen. Erstens wächst der Druck auf Städte, leerstehende oder untergenutzte Gebäude wirtschaftlich und kulturell sinnvoll einzubinden. Zweitens hat sich digitale Kunst vom Nischenphänomen zur eigenständigen Sparte entwickelt, die neue Präsentationsformen sucht. Drittens verändert sich das Kulturpublikum: Erwartet werden multisensorische Erlebnisse, die sich klar von klassischen Ausstellungen unterscheiden.

Diese Konstellation erklärt, warum gerade jetzt historische Orte zu Experimentierfeldern werden. Digitale Installationen lassen sich vergleichsweise flexibel anpassen, ohne irreversible Eingriffe in die Bausubstanz. Gleichzeitig erzeugen sie Aufmerksamkeit, die klassische Nutzungskonzepte kaum noch erreichen. Für Besucher bedeutet das eine niedrigere Zugangsschwelle zur Kunst, für die Stadt eine temporäre Belebung eines identitätsstiftenden Ortes.

Kulturell wirft das Fragen auf: Wird Geschichte hier neu erzählt oder lediglich ästhetisch überblendet? Wirtschaftlich zeigt sich, dass Erlebnisformate zunehmend als Zwischennutzung fungieren, wo dauerhafte Konzepte fehlen. Für die Branche der digitalen Kunst bestätigt sich ein Trend: Sichtbarkeit entsteht weniger über Inhalte allein als über spektakuläre Räume.

Bedeutung für Stadt und Öffentlichkeit

Für Berlin fügt sich das Projekt in eine längere Reihe von Umnutzungen ein, bei denen Industriebauten, Bäder oder Verkehrsanlagen kulturell neu interpretiert werden. Solche Formate stärken kurzfristig die kulturelle Vielfalt, ersetzen aber keine langfristige Debatte über den Umgang mit städtischem Erbe. Für die Öffentlichkeit bleibt entscheidend, ob der Ort als Teil der Stadtgeschichte erfahrbar bleibt – oder ob er im Erlebnis verschwindet.

Fazit

„Stadtbad RELOADED: BEYOND“ steht exemplarisch für eine Gegenwart, in der digitale Kunst und urbane Erinnerung zusammengeführt werden. Das Projekt zeigt Chancen, aber auch Grenzen dieser Entwicklung. Entscheidend wird sein, ob solche Formate über den Moment hinaus Impulse für eine nachhaltige Nutzung historischer Räume liefern. Eine vertiefende Einordnung zur Rolle immersiver Kunst im Stadtraum folgt.

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FAQ

Wann und wo findet das Event statt?
In Berlin, im ehemaligen Stadtbad an der Oderberger Straße; die Ausstellung läuft zeitlich begrenzt.

Für wen ist das Event relevant und warum?
Für kulturinteressierte Besucher:innen, die sich für digitale Kunst und urbane Umnutzung historischer Gebäude interessieren.

Welche Themen stehen im Mittelpunkt?
Digitale Kunst, immersive Installationen und der Umgang mit historischer Architektur.

Was unterscheidet es von vergleichbaren Formaten?
Der konsequente Einsatz eines denkmalgeschützten Schwimmbads als Ausstellungsraum.

Warum ist das journalistisch berichtenswert?
Weil das Projekt zentrale Fragen zu Stadtentwicklung, Kulturwandel und Erlebnisökonomie berührt.

Quellenliste

  • Eigene Vor-Ort-Recherche und journalistische Beobachtung

  • Hintergrundinformationen der Ausstellungsbetreiber zu „Stadtbad RELOADED: BEYOND“

  • Denkmal- und Bauhistorische Angaben zum Stadtbad Oderberger Straße, Berlin

  • Veröffentlichungen und Fachbeiträge zur Entwicklung immersiver und digitaler Kunstformate in Europa

  • Kulturpolitische Einordnungen zur Zwischennutzung historischer Gebäude in Großstädten

  • Branchenanalysen zur Erlebnisökonomie und zu immersiven Ausstellungen (Kunst- und Kultursektor)

  • Allgemeine stadtsoziologische und kulturwissenschaftliche Literatur zur Umnutzung von „Lost Places“ in urbanen Räumen

Veranstaltungsort