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HOLGER 2027: Neuer Nachwuchspreis in Berlin

Januar 30, 2027 @ 20:00 - 22:00
Beleuchtete Bühne im Spiegelzelt der Bar jeder Vernunft in Berlin-Wilmersdorf.

HOLGER: Berlins neuer Bühnenpreis öffnet mehr als eine Tür

Der neue Nachwuchspreis HOLGER erinnert an den Berliner Theatermacher Holger Klotzbach. Am 30. Januar 2027 treten sechs Final-Acts in der Bar jeder Vernunft an mit Preisgeld, Auftrittsgagen und einer ungewöhnlich konkreten Aussicht auf weitere Spieltermine.

Mit dem „HOLGER – Der Nachwuchspreis der Bar jeder Vernunft“ verbindet ein traditionsreiches Berliner Theater die Erinnerung an seinen Gründer Holger Klotzbach mit einem konkreten Förderversprechen. Entscheidend ist dabei weniger die Höhe des Preisgeldes als das, was nach der Preisverleihung folgen kann: ein eigener, regulär honorierter Abend auf der Bühne der Bar jeder Vernunft.

Die öffentliche Finalgala findet am 30. Januar 2027 statt an jenem Tag, an dem Klotzbach 81 Jahre alt geworden wäre. Sechs ausgewählte Acts präsentieren jeweils zwei Nummern. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden von der Finaljury gemeinsam mit einer Publikumsstimme bestimmt.

Warum der HOLGER mehr als ein Gedenkpreis sein könnte

Kulturpreise erzeugen Aufmerksamkeit, führen aber nicht automatisch zu einer langfristigen Karriere. Der HOLGER setzt deshalb an einer besonders schwierigen Stelle an: dem Übergang von ersten professionellen Auftritten zu einem eigenständigen, abendfüllenden Programm.

Der erste Preis besteht nicht allein aus 3.000 Euro. Hinzu kommen ein gesondert honorierter Soloabend, dramaturgische Beratung, Unterstützung bei Pressearbeit, Bildmaterial und Programmpositionierung sowie die bevorzugte Prüfung weiterer Termine im Jahr 2027. Damit übernimmt die Bar jeder Vernunft zumindest teilweise eine Rolle, die jungen Bühnenkünstlerinnen und -künstlern häufig fehlt: Sie bietet nicht nur Bewertung, sondern Zugang zu Bühne, Publikum und professionellen Kontakten.

Direktor Eric Schmidt-Mohan formuliert den Anspruch entsprechend: „Wir zeichnen nicht nur einen Künstlerin aus. Wir öffnen unsere Bühne.“ Ob daraus tatsächlich eine nachhaltige Förderung entsteht, wird sich erst an den späteren Engagements zeigen. Das Konzept schafft dafür jedoch nachvollziehbarere Voraussetzungen als eine einmalige Preisvergabe ohne Anschlussmöglichkeit.

Nachwuchs wird nicht am Alter festgemacht

Bemerkenswert ist die Definition des Begriffs Nachwuchs. Teilnahmeberechtigt sind Künstlerinnen und Künstler ab 18 Jahren; eine feste Altersobergrenze gibt es nicht. Maßgeblich ist stattdessen, dass der Act oder die selbstständige professionelle Laufbahn höchstens fünf Jahre besteht und noch keine dauerhaft etablierte, überregionale Solokarriere vorhanden ist.

Damit berücksichtigt die Ausschreibung auch Menschen, die erst später in die professionelle Bühnenarbeit einsteigen. Das erweitert den Kreis möglicher Bewerber über die klassische Vorstellung junger Nachwuchstalente hinaus.

Ebenfalls ungewöhnlich: Social-Media-Reichweite, Follower- und Verkaufszahlen werden nicht abgefragt und der Jury nicht vorgelegt. Bewertet werden künstlerische Eigenständigkeit, handwerkliche Qualität, Bühnenpräsenz, Publikumsbezug, Entwicklungspotenzial und die Eignung für einen abendfüllenden Auftritt.

Gerade in einer Kulturbranche, in der digitale Sichtbarkeit zunehmend als vermeintlicher Beleg für Erfolg gilt, ist diese Trennung ein klares Signal. Reichweite kann bei der späteren Vermarktung eine Rolle spielen sie entscheidet hier aber nicht darüber, wer überhaupt als förderungswürdig wahrgenommen wird.

Welche Acts gesucht werden

Der HOLGER ist spartenoffen ausgeschrieben, hat aber einen erkennbaren Profilkern. Gesucht werden Acts aus Chanson, Gesang, Musik-Comedy, Musik-Kabarett, Musiktheater, Singer-Songwriting, Off-Musical und Nouveau Cirque. Auch genreübergreifende Darbietungen und ausgeprägte Bühnenpersönlichkeiten können teilnehmen.

Reine Coverprogramme und Tribute-Shows sind ausgeschlossen. Das eingereichte Programm muss überwiegend deutschsprachig oder ohne Sprache verständlich sein. Entscheidend ist nicht die eindeutige Zuordnung zu einem Genre, sondern die künstlerische Eigenleistung und das Potenzial für einen eigenständigen Abend in der Bar jeder Vernunft.

Für die Bewerbung werden unter anderem eine Kurzbiografie, eine Beschreibung des Acts, ein künstlerisches Statement, zwei unterschiedliche Videobeispiele und das Konzept für einen möglichen Soloabend verlangt. Die Videos sollen tatsächliche Livequalitäten zeigen; reine Showreels oder stark geschnittene Musikvideos reichen nicht aus.

Die sechs Final-Acts werden am 30. Dezember 2026 bekannt gegeben.

Warum der Preis zur Bar jeder Vernunft passt

Holger Klotzbach gründete die Bar jeder Vernunft 1992 und später das Tipi am Kanzleramt. Das Wilmersdorfer Spiegelzelt wurde über mehr als drei Jahrzehnte zu einer festen Adresse für Chanson, Kabarett, Musik, Comedy und Formen der Unterhaltung, die sich eindeutigen Kategorien entziehen.

Zu den Künstlerinnen und Künstlern, deren Karrieren eng mit dem Haus verbunden sind, gehören unter anderem die Geschwister Pfister, Meret Becker, Georgette Dee und Michael Mittermeier. Der neue Preis knüpft damit nicht beliebig an Klotzbachs Namen an, sondern an die Geschichte eines Ortes, der selbst von Entdeckung, Entwicklung und langfristigen Künstlerbeziehungen geprägt wurde.

Redaktionell interessant ist der HOLGER deshalb nicht nur als einzelne Gala. Er stellt eine grundsätzliche Frage: Wie können etablierte Häuser ihre Reputation einsetzen, um neuen Bühnenpersönlichkeiten einen realen Zugang zum Kulturbetrieb zu verschaffen? Die erste Ausgabe wird daran zu messen sein, ob aus dem Versprechen tatsächlich weitere Auftritte und tragfähige Verbindungen entstehen.

Für wen lohnt sich die Gala?

Die Finalgala dürfte besonders für Besucherinnen und Besucher interessant sein, die neue Stimmen entdecken möchten und sich nicht auf ein einziges Genre festlegen. Durch die jeweils zwei Nummern der sechs Acts entsteht ein vergleichender Abend zwischen Chanson, Musiktheater, Kabarett und anderen Formen der Kleinkunst.

Wer einen vollständigen Soloabend oder ausschließlich bekannte Namen erwartet, bekommt dagegen ein anderes Format: Die Gala ist eine Leistungsschau von Künstlerinnen und Künstlern am Beginn ihrer überregionalen Laufbahn. Gerade darin liegt ihr Reiz allerdings auch das unvermeidliche Risiko eines Wettbewerbsabends, dessen Qualität von einer bislang noch nicht veröffentlichten Finalauswahl abhängt.

Event-Infobox

Event: HOLGER – Der Nachwuchspreis der Bar jeder Vernunft
Datum: 30. Januar 2027
Ort: Bar jeder Vernunft
Adresse: Schaperstraße 24, 10719 Berlin-Wilmersdorf
Format: Öffentliche Final- und Verleihungsgala mit sechs Acts
Preise: 3.000, 2.000 und 1.000 Euro
Auftrittsgage: 500 Euro für jeden Final-Act
Bewerbungsfrist: 30. November 2026
Bekanntgabe der Finalisten: 30. Dezember 2026
Beginn und Eintritt: Noch nicht veröffentlicht
Bewerbung: nachwuchspreis@bar-jeder-vernunft.de
Zielgruppe: Kleinkunst-, Chanson-, Kabarett- und Musiktheaterpublikum

Quellen und Transparenz

Grundlage dieses Beitrags sind die offizielle Ausschreibung des Nachwuchspreises und die Darstellung zur Geschichte der Bar jeder Vernunft. Beginn, Eintrittspreise und Ticketverkaufsstart für die Gala waren zum Redaktionsstand noch nicht veröffentlicht.

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