North of Now: Circa entwickelt Show für Berlin weiter

Circas „North of Now“: Wenn Vertrauen zur eigentlichen Show wird
Acht Körper, eine leere Bühne, ein Mensch im freien Fall: Für Berlin entwickelt Circa „North of Now“ weiter. Das Stück zeigt, wie zeitgenössischer Zirkus aus körperlichem Risiko eine Geschichte über Beziehungen erzählen kann.
Berlin. Was geschieht zwischen zwei Menschen, wenn einer springt und der andere ihn auffangen muss? Circa macht aus dieser Frage den Kern von „North of Now“. Die australische Kompanie kehrt mit dem Stück ans Chamäleon Berlin zurück. Interessant ist dabei weniger die Rückkehr selbst als die Art, wie die Show entstehen soll: Eine erste Fassung geht im Oktober auf die Bühne, danach wird sie weiterentwickelt und für das Haus in den Hackeschen Höfen erweitert.
Akrobatik erzählt hier von Abhängigkeit
Ein Sprung ist im Zirkus ein Kunststück. Er ist zugleich ein Vorgang zwischen Menschen: Jemand setzt sich einem Risiko aus, jemand anderes übernimmt Verantwortung. Nach der vorliegenden Produktionsbeschreibung reduziert „North of Now“ die Bühne auf Körper und ihre Beziehungen. Tragen, Fangen und Loslassen sollen sichtbar machen, wie viel Aufmerksamkeit eine gemeinsame Bewegung verlangt.
Das gibt der Akrobatik eine zweite Ebene, ohne ihre körperliche Wirkung zu schmälern. Ob daraus auf der Bühne tatsächlich eine überzeugende Geschichte entsteht, lässt sich vor der Aufführung noch nicht beurteilen. Der künstlerische Ansatz ist jedoch klar: Die Show will den Moment vor dem sicheren Griff ebenso ernst nehmen wie den Griff selbst. Circa beschreibt ihre derzeitige Fassung entsprechend als Arbeit über Nähe, Konflikt und die Verletzlichkeit menschlicher Verbindungen.
Der Titel nimmt Bezug auf eine Zeile von Paul Celan über die „Flüsse nördlich der Zukunft“. Regisseur und Circa-Leiter Yaron Lifschitz versteht diesen unmöglichen Ort laut dem bereitgestellten Produktionsmaterial zugleich als Bild der Hoffnung. In der Akrobatik wird der Gedanke konkret: Wer fliegt, weiß für einen Augenblick noch nicht, ob die Landung gelingt.
Berlin bekommt eine weiterentwickelte Fassung
Für die Einordnung der Show ist der Weg von Potsdam nach Berlin aufschlussreich. Circa kündigt für den 8. bis 11. Oktober 2026 Vorstellungen in der fabrik Potsdam an. Die eigene Stückseite nennt dafür sieben Mitwirkende. Das für Berlin vorliegende Material spricht dagegen von acht Körpern und einer späteren Erweiterung um Luftakrobatik und neue Choreografien. Beide Angaben beziehen sich demnach auf unterschiedliche Entwicklungsstände.
Das Chamäleon ist für Circa ein vertrauter Produktionsort. Die gemeinsame Geschichte reicht bis „Wunderkammer“ im Jahr 2011 zurück; 2021 war die Kompanie für eine längere Residency zu Gast. „Wolf“ wurde 2024 dort uraufgeführt. Die erneute Zusammenarbeit zeigt damit, welche Rolle eine Berliner Bühne für die Weiterentwicklung einer international tourenden Kompanie spielen kann: Sie zeigt ein Werk nicht allein, sondern arbeitet an seiner neuen Fassung mit.
Was jetzt zählt
Wer „North of Now“ bereits im Oktober in Potsdam sieht, erlebt nach den bisherigen Angaben nicht die identische Berliner Produktion. Gerade der Vergleich könnte später zeigen, was die zusätzliche Besetzung und die neuen choreografischen Mittel verändern. Bis zur Premiere bleibt offen, wie die angekündigte zweiteilige Fassung diese Elemente verbindet.
Service: „North of Now“ von Circa, Chamäleon Berlin, Hackesche Höfe. Previews laut bereitgestelltem Produktionsmaterial vom 26. Januar bis 10. Februar 2027, Premiere am 11. Februar, Spielzeit bis 16. Mai 2027. Uhrzeiten und Ticketpreise sind im vorliegenden Material nicht genannt.
Quellen und Transparenz: Angaben zur Berliner Fassung und ihren Terminen stammen aus dem bereitgestellten Produktionsmaterial. Die Stückseite von Circa dokumentiert die erste Fassung und die Potsdamer Termine. Die bisherige Zusammenarbeit ist auf den Seiten des Chamäleon Berlin dokumentiert.